Interview mit Berry Marttin

Überzeugende Lösungen für eine zukunftsweisende Versorgung mit Nahrungsmitteln.

Die Rabobank verfolgt die Strategie „Banking for Food“.

Bereits heute leben auf unserer Erde über sieben Milliarden Menschen. Und diese Zahl wird in den nächsten Jahren weiter steigen. Wie kann es gelingen, die Weltbevölkerung auch in Zukunft zu ernähren? Diese Aufgabe können wir nur gemeinsam bewältigen. Gefragt sind engagierte Konzepte für eine gesteigerte Produktion sowie eine durchdachte Versorgung mit Lebensmitteln. Als einer der führenden Finanzpartner im Lebensmittel- und Agrarbereich möchte auch die Rabobank dazu einen aktiven Beitrag leisten. Vorstandsmitglied Berry Marttin erläutert unsere Strategie „Banking for Food".

Berry Marttin

„Banking for Food" ist die Strategie der Rabobank, zu der auch RaboDirect gehört. Was genau steckt dahinter?

Marttin: Wir alle sind uns darüber im Klaren, dass es im Jahr 2050 weltweit ca. neun Milliarden Menschen zu ernähren gilt. Und die Herausforderungen und Chancen, die damit verbunden sind, gehen uns alle an. Denn sie betreffen die elementaren Grundlagen unserer Existenz: unser tägliches Essen und Trinken. 

 Die Lebensmittel- und Agrarwirtschaft ist seit 1887 integraler Bestandteil des Rabobank Programms. Mit unserer globalen „Banking for Food"-Strategie liefern wir neue Impulse, wie Banken Unternehmen in den Bereichen Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung unterstützen können. Unter dem Motto „Banking for Food" fördert die Rabobank dabei nachhaltig sowohl die globale Nahrungsmittelsicherheit als auch die individuellen Ziele jedes einzelnen Lebensmittel- und Landwirtschaftsbetriebs - vom Bauern bis zum Lebensmitteleinzelhändler. Um Kunden entlang der gesamten Nahrungsmittel-Versorgungskette finanziell zu unterstützen, hat die Rabobank weltweit bereits Darlehen in Höhe von nahezu 100 Milliarden Euro vergeben. 

 Die Herausforderung in den kommenden Jahrzehnten lautet, die Lebensmittelproduktion zu verdoppeln und dabei die Umweltbelastung um die Hälfte zu reduzieren, indem wir zum Beispiel weniger Lebensmittel verschwenden oder wegwerfen und indem wir die natürlichen Ressourcen der Erde effizienter nutzen. Das wiederum schaffen wir nur, wenn wir die Produktivität entlang der gesamten Wertschöpfungskette erheblich steigern. „Banking for Food" soll dazu einen Beitrag leisten. Die Rabobank kann hier ihr Wissen und ihre Netzwerke nutzen, um bei der Lösung entsprechender Finanzierungsfragen behilflich zu sein. 

Welchen Ansatzpunkt verfolgt die Rabobank, um diesen Anforderungen gerecht zu werden?

Marttin: Zunächst einmal geht es darum, einzelne Lebensmittel- und Landwirtschaftsunternehmen sowohl mit finanziellen Lösungen als auch mit unserem Know-how und dem Zugang zu unserem Netzwerk zu unterstützen. Ob Lieferanten von landwirtschaftsspezifischen Komponenten wie Geräten oder Saatgut, ob Landwirte, Fischereibetriebe, weiterverarbeitende Unternehmen oder Händler - ihnen allen müssen wir es ermöglichen, bessere Lebensmittel in größeren Mengen zu produzieren und zu vertreiben und zugleich weniger Ressourcen dabei zu verbrauchen. 
 Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie wir die Nahrungskette durch die Optimierung der einzelnen Glieder effizienter machen können. Unser Vorteil liegt darin, dass wir mit der gesamten Lieferkette in Verbindung stehen: Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und verfügen über fundierte Fachkenntnisse. Wir können in den Entscheidungsprozessen innerhalb der Lieferkette aktiv mitwirken, weil wir buchstäblich an beiden Seiten des Tisches sitzen: in der Küche des Farmers genauso wie im Konferenzraum. 

Dürren und Überschwemmungen, Kälte und Hitze können die Ernten gefährden. Viele Unsicherheitsfaktoren. Was hat im Hinblick darauf ein deutscher RaboDirect Kunde davon, dass seine Bank weltweit die Landwirtschaft fördert?

Marttin: Aufgrund dieser klimatischen Bedingungen - Pflanzen- und Tierkrankheiten schließe ich hier mit ein - sowie der steten Veränderungen von Angebot und Nachfrage kann es in der Tat zu starken Preisschwankungen für Lebensmittel und Agrarprodukte kommen. Unsere mehr als 80 Lebensmittel- und Agrar-Analysten, die weltweit für uns tätig sind, kennen diese Dynamiken sehr gut. Die Erkenntnisse unserer Experten helfen uns dabei, unsere Kunden in der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten zu unterstützen. 
 Es klingt vielleicht nach einem Widerspruch, aber der Nutzen des deutschen RaboDirect Kunden ist vor diesem Hintergrund als Allererstes: langfristige Sicherheit für sein Geld. Es wird immer Nachfrage nach Nahrung geben, schließlich brauchen Menschen Essen. Diese Langfristigkeit bietet ein gutes Rendite-Risiko-Verhältnis. Hinzu kommt, dass es ein wachsender Markt ist. 

Angesichts der anfangs beschriebenen globalen Herausforderungen, die wir in Zukunft zu stemmen haben: Wer sollte sich vor allem angesprochen fühlen, etwas zu tun?

Marttin: Die Hauptverantwortung dafür tragen die Politiker, die Entscheidungsträger in der Lebensmittel- und Agrarwirtschaft, aber auch die Verbraucher selbst. Ich wünsche mir, dass die Menschen Lebensmittel wieder mehr schätzen lernen. Viele Konsumenten haben keine Vorstellung davon, wie schwer es ist, all das, was sie täglich auf dem Teller haben, herzustellen und verfügbar zu machen. Die europäischen Verbraucher werfen jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 30 Milliarden Euro weg, hinzu kommen weitere 60 Milliarden Euro, die im Produktions- und Vertriebsprozess unnötig verschleudert werden. „Lebensmittelverschwendung eindämmen" und „Geld sparen" verhalten sich wie Ursache und Wirkung: Lebensmittel wegwerfen ist im Wesentlichen das Gleiche wie Geld wegwerfen oder knappe Ressourcen verschleudern. Lebensmittel sind ein wertvolles Gut. Angesichts des globalen Bevölkerungswachstums muss es ein Umdenken und neue Lösungen geben. Unsere Strategie „Banking for Food" zielt genau in diese Richtung.


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